Immer wieder wird in wissenschaftlichen Plattformen erörtert, ob die Astrologie sinnvoll sei, da ihre Grundannahmen (energetische Analogien von Himmelskörpern und irdischen Phänomenen, Annahme von „Zeitqualitäten“) wissenschaftlich nicht beweisbar sind. Dass die Astrologie keine Wissenschaft im Wissenschaftsverständnis der Wissenschaft ist, ist nichts Neues. Dennoch ist der Fall für die Wissenschaft offenbar noch nicht erledigt, wie eine eifrige Diskussion beweist.
Wir leben in einer wissenschaftsgläubigen Zeit. Wissenschaftlichkeit baut bei potenziellen Kunden Glaubwürdigkeit auf. Die Verführung ist groß, ob für Lebensmittelhersteller oder Astrologen.
Und die Tradition scheint den Kollegen in die Tasche zu spielen, denn in alter Zeit galt die Astrologie sehr wohl als Wissenschaft – im damaligen Wissenschaftsverständnis eben. So sprechen unsere astrologischen Quellen von ihrem eigenen Fachgebiet häufig als (traditionelle) Wissenschaft.
Doch das Wissenschaftsverständnis hat sich grundlegend geändert, was ich sehr gut finde. Aus heutiger Sicht kann die Astrologie keinesfalls als Wissenschaft bezeichnet werden.
Für einen Wissenschaftler wird die Beschäftigung mit ihr damit obsolet. Vielleicht findet er es ärgerlich, dass es sowas überhaupt gibt. Doch das ist ein emotionales Problem. So wie man sich ärgern kann, dass es Sozialpädagogen gibt, oder Zitronenfalter. Hat eher was mit subjektiver Wahrnehmung zu tun.
Neben dem emotionalen wird auch ein moralisches Problem wahrgenommen. In uneigennützig engagierten Wissenschaftlerkreisen gibt den Anspruch, mit der reinen Vernunft unmündige Bürger vor den Machenschaften skrupelloser Astrologen zu schützen. Man suggeriert sich gegenseitig, dass der Astrologie-faszinierte Mensch und Kunde ein Wesen aus bildungsfernen Gesellschaftsschichten sei, das Schutz und Belehrung benötigt.
Meine Kunden haben überwiegend (ca. 2/3) akademische Ausbildungen. Auch (einige, ja: nicht viele) Naturwissenschaftler sind dabei, auch erfolgreich in ihrem Forschungsgebiet aktive. Um das kritische Denken und den aufgeklärten Geist meiner Kunden musste ich mir bisher keine Sorgen machen.


Bei vielen Wissenschaftlern ist diese Ablehnung reine Verzweiflung. Insbesondere bei denen, die gemerkt haben dass ihre Forschungsgelder aus der Wirtschaft kommen und ihnen nur zur Verfügung gestellt werden wenn sie für die Wirtschaft einen Nutzen bringen.
Und nun kommen da Astrologen oder Feng Shui Berater oder Strategieberater und bekommen das Geld das eigentlich der Wissenschaft zustehen sollte.
Eine Frechheit ist das
Zudem stoßen Wissenschaftler immer häufiger an ihre Grenzen, versagen, machen sich unbeliebt. Während noch vor Jahren ein Wissenschaftler unantastbar war, verliert diese Berufsgruppe zunehmend das Vertrauen der „Normalbürger“. Das schürt deren Verzweiflung noch mehr.
Das ganze dann gepaart mit der Arroganz, alles was man selbst nicht beweisen kann als nicht existent abzustempeln führt dann zu Wissenschaft vs. Astrologie-Grabenkämpfen.
Gerhard Zirkel
Hallo Gerhard, aus früheren Diskussionen habe ich in Erinnerung, dass Du weisst, wovon Du sprichst….
Ich kann es verstehen, dass die Astrologie vielen Wissenschaftlern eine Provokation sein muss.
Manche Kollegen schüren das ja auch noch, indem sie krampfhaft versuchen, auch heute noch die Astrologie als Wissenschaft zu darzustellen. Im heutigen Verständnis ist das einfach ein falscher Sprachgebrauch, und ich finde es auch vollkommen richtig und notwendig, das klarzustellen.
Das da allerdings noch viel mehr Emotion mitschwingt als Klarstellungsbedarf eines Begriffs, das zeigt die verknüpfte Diskussion ebenfalls sehr deutlich
Ja, auch ich komme aus einem eher wissenschaftlichen Bereich, der Chemie. Daher weiß ich auch, dass die ach so exakte Wissenschaft alles andere als exakt ist – von der Mathemathik mal abgesehen – und das etwas nicht beweisen zu können noch lange nicht heißt das es nicht da ist.
Ob Astrologie nun eine Wissenschaft ist oder nicht ist mir persönlich vollkommen egal. Das Ergebnis zählt und so lange das stimmt kann sich „die Wissenschaft“ auf den Kopf stellen wenn sie möchte
Allerdings gibt es auch Annäherungen, Mediziner interessieren sich plötzlich für TCM, Psychologen für Feng Shui, Physiker für das Qi usw..
Es bleibt also spannend.
Gerhard