Um es gleich vorneweg klar zu stellen: Gefühle sind mir wichtig. Meine eigenen natürlich zunächst, und auch die meiner Mitmenschen.
Dahinter steht durchaus Lebensphilosophie. Das „Ja“ zu sich selbst, zum Leben, zu anderen Menschen beinhaltet auch, Ja zu den Gefühlen, diesem unergründlichen Meer, zu sagen.
Ganz klar: Die Ausübung von Feng Shui „ohne Gefühl“ verbietet sich von selbst. Die Frage lässt sich sogar stellen, ob Feng Shui aus dem Gefühl heraus begründbar ist, welchen Zusammenhang es zwischen den Gefühlen und dem Feng Shui (der Wohnung, der Landschaft) gibt, und ob es sich bei „Feng Shui“ etwa um eine gefühlsmäßige Wahrnehmung handelt.
Und jetzt wirds interessant…..
Gefühle sind ja irgendwie immer auch subjektiv. Wie überhaupt auch Wahrnehmungen. Da auch Feng Shui Berater nur Menschen sind, fühlt jeder anders.
Das ist nicht neu. Schon die alten Chinesen schlugen sich mit diesem Problem herum und erfanden deshalb einen ganzen Werkzeugkoffer von Wahrnehmungs- und Erklärungsmodellen für den Kosmos. Sei es Chi, die Lebensenergie, die jeder schon mal gierig in sich eingesogen hat, der morgens früh das Fenster geöffnet und tief durchgeatmet hat. Chi kennt jeder. Ebenso das Gesetz der Polarität, oder „Yin und Yang“, der Ausgleich der Gegensätze, alles ganz eingängig. Schon etwas komplexer, aber immer noch leicht nachvollziehbar, das Modell der 5 Elemente. Sogar die 8 Trigramme lassen sich in wenigen Sätzen zumindest mal darstellen, und da 8 x 8 64 ergibt, sind wir schon flugs bei den 64 Hexagrammen des I Ging gelandet. Der große Weise Konfuzius benötigte nach eigenen Angaben ca. 50 Jahre, um sie ansatzweise zu verstehen. Wir dürfen uns also Zeit lassen.
All diese Modelle, von einfach bis komplex, sind aus der Wahrnehmung abgeleitet und sollen helfen, diese in gewisser Weise zu „standardisieren“. Zumindest doch aber, eine gemeinsame Sprache für die Wahrnehmenden zur Verfügung zu stellen. Damit eine Feng Shui Beratung nicht ein x-beliebiges Gefasel über persönliche Gefühle und unausgegorene Wahrnehmungen wird, sondern nachvollziehbar. Oder überprüfbar, durch andere Experten, die die gleiche Sprache benutzen.
Nun hat schon der große Weise Albert Camus einmal festgestellt: „Wer keinen Charakter hat, braucht eine Methode“. Also alles Charakterschweine, diese Feng Shui Berater, die die Methoden der Wahrnehmung, diese Systeme und Modelle, diese Tabellen und Kompasse anwenden?
Und wo bleibt, überhaupt, das Gefühl?
Häufig habe ich mit Interessenten zu tun, die Feng Shui schon geraume Zeit „nach Gefühl“ praktizieren. Die sich mal einige Bücher gekauft haben, einiges davon verinnerlicht, und vieles als zu abstrakt abgehakt haben, und sich entschieden haben, jetzt mal zu fühlen, wie die Energie der Wohnung so ist.
Ich begrüße und ermutige das sehr. Ich finde es 1000x besser, den eigenen Räumen mit gefühlsmäßiger Wahrnehmung (was für mich so viel bedeutet wie „Achtung“) zu begegnen, als mit womöglich widersprüchlichen Tabellen und oberflächlichem Feng-Shui-Buch-Abgeschreibsel.
Dennoch, Gefühle haben ja ihre eigene Dynamik. Es gehört eine dicke Portion Lebensweisheit dazu, die Wege der Gefühle mitzugehen, zu gestalten, zu verantworten. Gefühle sind nicht immer nett. Sie pochen auf Veränderung, sie wollen gehört, verstanden, gar erlöst werden. Sie konfrontieren uns mit Themen, die gerade nicht in die Lebensplanung (des Kopfs) passen.
Wer Feng Shui nach Gefühl gestaltet, dehnt auch unbewußte Themen auf sein Umfeld aus. Das kann sehr erfolgreich sein, aber auch zur Selbstverhinderung werden, wenn man in seinen Gefühlen nicht klar ist. (Und wer ist das schon?). Selbsterkenntnis ist also inbegriffen. Deshalb ist dieser Weg nur für die eigenen Räume empfehlenswert.
Wer andere berät, benötigt anderes Werkzeug. Zumal die Außenwahrnehmung immer auch eine andere ist als die Innen/Eigenwahrnehmung.
Wer sich für eine Feng Shui Beratung entscheidet, kann sich auf Neuigkeiten gefaßt machen: auf Ergebnisse, die dem (vertrauten) Gefühl zunächst widersprechen. Viele Eigenwahrnehmungen werden bestätigt, doch Veränderung zum Positiven findet nicht in der Komfortzone statt. Wer die Vorteile einer Beratung ausschöpfen möchte, tut gut daran, auch „unangenehme“ Botschaften über die eigenen Räume auf sich wirken zu lassen.

